Warum Mediation eine eigenständige Profession ist

 

Es gibt viele Beschreibungen und Definitionen von Mediation.

Und hier gibt es eine weitere: Wir vertreten die Auffassung, das Mediation weitaus mehr ist, als 'nur' ein Verfahren.

Mediation ist nichts, das der/die Mediator_in herstellt und vom Klientensystem konsumiert wird. Vielmehr ist sie etwas, das in kollektiver Koproduktion von allen Beteiligten im Mediationssystem erzeugt wird. Mediation ist Verfahren und Medium zugleich. Das bedeutet, dass gewisse Qualitäten erst im tatsächlichen Prozess, in kreativer Koproduktion zwischen der Mediator_in und den Klient_innen emer­gieren. Diese neu aufscheinenden, nicht vorhersagbaren Qualitäten im Miteinander sind methodisch nicht kopierbar und machen jede Mediation einzigartig und unverwechselbar. Diese Erkenntnis zeigt sehr deutlich, wie notwendig das Verlassen einer rein

verfahrensorientierten Ebene für Mediation ist und führt den Unterschied vor Augen zwischen dem „Anwenden des Mediationsverfahrens“ und Mediation als Profession.

Mediation wird meist als ein Verfahren definiert. Inhaltlich ist das genauso richtig wie die Beschreibung, dass ein Jurist seine Mandanten vor Gericht vertritt, ein Therapeut bei Klienten Kriseninterventionen durchführt oder ein Arzt von seinen Patienten ein Röntgenbild erstellt. Allerdings würden sich all diese Professionen niemals auf ein Verfahren reduzieren lassen.

Diese Reduzierung einer professionellen Dienstleistung auf ein Verfahren ist einer

der wesentlichen Gründe für die mangelnde Akzeptanz von Mediation in der Öffentlichkeit. ​Gegen diese selbst erzeugte Begrenzung mit ihrer öffentlichkeitswirksam abwertenden Wirkung wollen wir auf dieser Website Impulse setzten und dem Mut zur Veränderung fördern. Dafür begründen wir, warum Mediation eine eigenständige Profession ist und beschreiben sie.

Mediator_innen können mit dieser Sichtweise eine selbstauferlegte Hürde des Marktzutritts überwinden, Klient_innen erhalten nachhaltigeren und passgenaueren Nutzen.

Zwischenruf: Mediation als Profession begreifen
Offener Brief an deutschsprachige Mediationsverbände

Der Professionsbegriff ist vielseitig und schillernd, deshalb muss geklärt sein, was wir darunter genau verstehen.

Eine Profession ist ein (berufliches oder ehrenamtliches) Tätigkeitsfeld, das durch folgende Eckpunkte determiniert ist:

 

Eine Profession

  • ist eine definierte Dienstleistung (Klient_innen-Nutzen, Einordnung in Kontexte, s. o.)

  • hat eine gesellschaftliche Funktion (übergeordneter Nutzen, Daseinszweck)

  • hat eine spezifische Theorie, mit der sie die vorgefundene Praxis betrachtet (Ausbildung)

  • wendet begründete Vorgehensweisen an (Verfahren)

  • bearbeitet konkrete individuelle oder kollektive Nöte der Ratsuchenden (Fälle)

  • wird stellvertretend und temporär in Anspruch genommen, wenn die Inhaber der Nöte momentan nicht auf ausreichend eigene Kompetenzen zurückgreifen können (Zustand Problem)

  • besitzt diagnostische Kompetenz (Fallverstehen)

  • arbeitet mit Hypothesen und richtigen Irrtümern (Unschärfen)

  • trägt reflektierte Verantwortung (Berufsmoral, mediative Haltung)

Definition von professioneller Mediation:

Die Befähigung eines sozialen Systems
zur Zustandsänderung von »Probelm« zu »Lösung«

 

Wissenschaftliche Begründung


Der Wissenschaftsbeirat des Österreichischen Bundesverband für Mediation »ÖBM«  hat in seinem Blog unter dem Titel  »Mediation ist nicht Brezenbacken« aufgezeigt, warum Mediation eine Eigenständige Profession ist.

Im ersten Teil der Betrachtung geht es um äußere Aspekte, die auf Mediation als Profession verweisen.

https://wissenschaftsbeirat.oebm.at/2017/09/04/mediation-ist-nicht-brezenbacken/

Der zweite Teil wird sich mit Besonderheiten mediativen Handelns befassen, die nur durch Professionalität erklärt werden können, weil sie das rein Handwerkliche hinter sich lassen.

https://wissenschaftsbeirat.oebm.at/2017/10/01/mediation-ist-nicht-brezenbacken-2-gastbeitrag-von-dr-karl-kreuser/

Einblick in die Denkwerkstatt